Der Plan der Wahl

Bevor es mit einer Lerngruppe oder dem eigenen in der Examensvorbereitung losgehen kann, braucht es einen Plan. Auch wir haben einige Monate vor der Examensvorbereitung begonnen, uns einen Lerngruppenplan zu machen (unsere Erfahrungen könnt ihr weiter unten lesen). Der Lernplan selber kann sehr individuell sein, in der Herangehensweise lohnen sich aber ein paar allgemeine Regeln:

A. Sucht euch die Prüfungsgegenständeverordnung eures jeweiligen Justizprüfungsamtes raus und lest sie durch. Diese gibt euch einen Überblick, was tatsächlich gefordert ist. Macht euch dabei auch mit den Begriffen wie „Im Überblick“ vertraut. Es lohnt sich auch Themen wie „Das erste Buch des BGB“ noch einmal geistig aufzuteilen in Unterthemen wie Anfechtung, Minderjährige, Willenserklärungen …

B. Überlegt euch, wie viele Lerngruppentreffen ihr pro Woche abhalten wollt und plant von Beginn an Pufferzeiten, Urlaube und Wiederholungszeit am Ende mit. Findet also raus, wie viele Wochen „Lernzeit“ – also Zeit, um neue Dinge zu lernen – ihr tatsächlich habt. Aus der Anzahl der Lerntermine der Woche multipliziert mit der Anzahl der Wochen bekommt ihr dann eure Zahl von Lerneinheiten.

C. Versucht nun, die Themen von Punkt auf die Lerneinheiten zu verteilen. Wie viel Zeit man für einzelne Bereiche braucht, ist im Vornhinein natürlich schwer abzuschätzen. Folgende Orientierungen können helfen:

  • Der Jahresplan eures Unireps hat in der Regel eine Verteilung in Lerneinheiten, die für euer Bundesland passt.
  • Grundlagen (also die AT Teile) sollten in der Regel mehr Zeit in Anspruch nehmen, da eine gute Kenntnis z.B. vom Schuldrecht AT die Lernzeiten im BT sehr verkürzen kann.
  • Man kann grob die Hälfte der Einheiten für Zivilrecht verplanen, ein Drittel für Öffentliches Recht und ein Sechstel für Strafrecht. Das entspricht der Verteilung der Examensklausuren in vielen Bundesländern.
  • Ehemalige Examenskandidat*innen können mit ihren Plänen auch eine gute Quelle sein.
  • Denkt aber natürlich auch an eure eigenen Stärken und Schwächen. Für ganz neue Dinge werdet ihr mehr Zeit brauchen, als für häufig wiederholte Themenbereiche.

D. Schreibt diesen Plan auf. Eine Exceltabelle ist vermutlich am einfachsten. Habt ihn bei allen Lerneinheiten verfügbar, entweder als Papier im Gesetz oder als Datei.

Unsere eigene Erfahrung

Nun zum eigenen Erfahrungsbericht. Wir hatten ursprünglich 44 Wochen Lernen eingeplant, da wir die Winterferien sowie bereits geplante Urlaube mitgedacht haben. Somit sind wir auf 88 Lerneinheiten gekommen, die wir entsprechend verteilt haben. Vor und nach den Urlauben planten wir häufig eine Lerneinheit mehr pro Woche. Die erste Spalte hat immer die Nummer der Lerneinheit ausgedrückt, die zweite die Kalenderwoche. Das Farbschema war: Rot=Zivilrecht, Gelb=ÖffR, Blau=StrafR. Die Lerneinheiten haben wir zunächst nach Oberthemen eingeteilt, z.B. 5 Einheiten BGB AT, 4 Einheiten Grundrechte, etc. Danach haben wir die Unterthemen versucht in den Oberthemen unterzubringen. In der letzten Spalte haben wir Wiederholungseinheiten angelegt und zwar in einem dreier System. Jede Einheit sollte nach drei Einheiten zum ersten Mal wiederholt werden, nach neun Einheiten das zweite Mal und nach 27 das dritte Mal. So sollte jede Einheit mehrmals zum Thema kommen.

Für uns hat das Wiederholen gar nicht funktioniert. Schon nach wenigen Wochen haben wir das Wiederholungssystem komplett aufgegeben, was aber nicht heißt, dass dies der richtige Weg ist. Wir haben die Wiederholung als Lerngruppe schlicht weniger systematisiert gemacht und im Zweifel kritische Themen nochmal wiederholt.

Durch Krankheiten und Dinge, die dazwischen gekommen sind, sind wir relativ schnell in Verzug geraten. Deshalb haben wir schon nach wenigen Monaten entschieden, eine weitere Lerneinheit in der Woche hinzuzufügen. Ab Oktober oder November sind wir zudem dazu übergegangen, in vielen Wochen weitere Lerneinheit in der Woche zu haben, wir haben uns also auf vier gesteigert. Die vierte Lerneinheit wurde aber etwas freier gestaltet. Häufig haben wir dort die Klausuren aus dem Uni-Rep bearbeitet, um mal aus den Themenkomplexen rauszukommen und quasi „allgemeine“ Klausuren zu bearbeiten, wie es im Examen auch gefordert ist. Auch nutzten wir die weitere Lerneinheit um „Problemfelder“ von uns nochmal auf die Tagesordnung zu bringen.

Nicht zuletzt haben wir auch mehrere „Lernurlaube“ gemacht [dazu wird noch ein Beitrag folgen], die uns geholfen haben, einige Tage lang von morgens bis abends (mit Pausen!) einen Block (z.B. alle Europarechtseinheiten) abzuarbeiten. Dies hat dazu geführt, dass wir letztendlich unseren Lernplan überholt haben uns anders als im Plan nicht erst im März, sondern schon Anfang Februar mit dem Grundplan fertig waren. Das war für uns vorteilhaft, da wir dann mehr Zeit für die Wiederholung von Unsicherheiten und schwierigen Bereichen hatten.

Wir würden unsere Herangehensweise nicht jedem empfehlen. Dadurch, dass wir – bis auf einige Ausnahmen – nur zu zweit waren, waren wir sehr flexibel in der Zeitgestaltung und konnten regelmäßig modifizieren. Je größer die Lerngruppen sind, desto schwieriger wird das möglich sein. Außerdem hängt vieles davon ab, wie lang man die Lerngruppeneinheiten und die Inhalte (z.B. lange Klausuren oder viele kurze Beispielsfälle) gestaltet. Auch dort waren wir flexibel, je nach Thema waren unsere Lerngruppen 1,5 bis 3 Stunden lang, wobei wir zu Planungszwecken immer von 3 Stunden ausgegangen.

Quintessenz aus unserer Erfahrung ist jedoch, dass es sich lohnt, von vornherein einen Lernplan zu schreiben, der noch Möglichkeiten offen lässt, sich zu steigern. Erstens kann man dann bei unvorhergesehen Geschehnissen (Krankheiten, Unglücke, Wohnungssuchen etc.) in der Regel Zeit finden, um diese Einheiten nachzuholen. Zweitens kann man sich in das Lernen langsam reinfinden. Zu Beginn waren zwei wöchentliche Lerneinheiten á 2h schon echt viel, am Ende kamen uns selbst vier dreistündige Treffen gut leistbar vor. Drittens kann es sein, dass eine Überforderung am Anfang der Examensvorbereitung leicht dazu führen kann, dass man ein ganzes Jahr kein Oberwasser bekommt, sondern nur dem eigenen Plan hinterherrennt. Damit verbundene negative Gefühle hindern den freien und positiven Lernprozess, da Stress die eigene Lernfähigkeit häufig mindert.

Wir freuen uns übrigens, auf dieser Website auch andere Lernpläne zu veröffentlichen. Es gibt kein one size fits all System. Je nach Persönlichkeiten in der Lerngruppe ändern sich Bedürfnisse und Lernprozesse.

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